Live von der Frankfurter Buchmesse
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Live von der Frankfurter Buchmesse

  • 10/9/2013 7:05:38 AM   Thomas Thiel
    Die Messe beginnt Punkt neun mit einem Gongschlag. Die Besucher strömen in die Hallen. Es erwarten sie Bücher, die in Wirklichkeit Websites sind und Bücher, die keinen Verleger mehr brauchen. Daneben gibt es noch einige aus echtem Papier. Die 25 schönsten ihrer Art sind in Messehalle 4 ausgestellt. Die Buchpreisträgerin Terezia Mora darf sich später auf dem blauen Sofa zurücklehnen, Clemens Meyer wird in der Nebenhalle erklären, warum er eigentlich den Preis verdient hätte. Und der Weißrusse Evgeny Morozov warnt vor den Datenkraken. Das sind die erwartbaren Höhepunkte des ersten Messevormittags. Wir werden das Geschehen in dieser Zeit live verfolgen. Seien Sie beruhigt, Sie verpassen nichts!
  • 10/9/2013 8:03:25 AM   Fabian Granzeuer
    Noch herrscht beinahe museale Ruhe im Messe-Forum. Hier päsentiert das Gastland Brasilien sich und seine Bücher. Auf Hockern aus feuerfester Pappe kann man dort Platz nehmen und Bücher zum Thema Brasilien - die schönsten Bildbände beispielsweise - in die Hand nehmen. Für sehr Entspannungsbedürftige sind Hängematten aufgespannt. Die Geschichte des brasilianischen Buckdrucks entfaltet sich in Multimedia-Collagen auf Monitoren. Der ganze Auftritt wirkt bisher noch wie ein ganz wirksames Entspannungsprogramm - jedenfalls im direkten Vergleich mit anderen Bereichen der Messe. Jetzt hat man außerdem gerade die passende Musik angestellt.
  • 10/9/2013 8:12:54 AM   Thomas Thiel
    Der Stand des Gutenberg Museums demonstriert mit authentischer Druckerpresse und viel Körpereinsatz das traditionelle Druckverfahren. Die Inspiration für die Druckerpresse kam Gutenberg von den Weinpressen aus dem Mainzer Umland. Erst mussten hunderttausend Lettern in Blei gegossen werden, bevor die erste Seite in Druck ging. Die 25 schönsten Exemplare Gutenbergscher Druckkunst sind einen Stand weiter zu bewundern. "Mein kleiner Wald" von Kathrin Wiehle, ein Buch aus schwerer Pappe, präsentiert als hundertprozentiges Naturprodukt und erzählt liebevoll aus dem Waldleben von Fuchs, Dachs und Eichörnchen. Die Stiftung Buchkunst erklärte es zum schönsten Buch des Jahres.
  • 10/9/2013 8:58:44 AM   Thomas Thiel
    Entspannung verspricht nicht nur der brasilianische Pavilllon, auch das Massageteam in der vierten Messehalle gehört zu den beliebteren Ständen für früh gestresste Messegäste. Dicht drängt man sich jetzt schon am Blauen Sofa, wo in wenigen Minuten die Buchpreisträgerin Terezia Mora spricht.
  • 10/9/2013 9:09:42 AM   Thomas Thiel
    Träumt sie ungarisch oder deutsch? Die Frage von Moderator Wolfgang Herles kann Mora, die als deutsch-ungarische Übersetzerin begann, nicht zu einer Seite hin beantworten. Das Idiom wechselt von Anlasss zu Anlass. Herles sinniert über die flüchtige Identität des Zweisprachlers. Mora nutzt die Gelegenheit für ein emphatisches Plädoyer für die europäische Identität.
  • 10/9/2013 9:47:33 AM   Fabian Granzeuer
    Am prächtigen Stand von Chinese Publications stehen eine chinesische und eine amerikanische Fahne einträchtig nebeneinander. Michael Tong - der Copyright Manager der Foreign Language Press - kann das erklären. Nun endlich liege "The Chinese Dream" von Ren Xiaosi auch in englischer Sprache vor. Er meint, dass dieses Buch viele amerikanische Leser interessieren könnte. Auf der letzten Seite steht: "The chinese people have never been this close to the goal of their desire." Gegenwärtig befänden sie sich auf dem "true way of change". Das Vokabular dürfte der großen amerikanischen Zielgruppe also geläufig sein.
  • 10/9/2013 10:19:18 AM   Thomas Thiel
    Clemens Meyer hat die Enttäuschung über den nichterrungenen Buchpreis überwunden. Es geht ja nicht um Preise. Es geht um die Kunst. Nur schade um das schöne Geld! So Meyer am 3sat-Stand. Vor den Augen eines rasend mitschreibenden Rainald Goetz bringt er seine Zuhälter-Roman "Im Stein" auf eine kurze Gleichung: Sex = Gier = Geld.
  • 10/9/2013 10:37:02 AM   Thomas Thiel
    Dann wird Meyer detaillierter. Der Formwillen ist für ihn die Essenz der Literatur. Literatur ist Montage und harte Arbeit. Wo bleiben heute die experimentellen Formen? Gelobt wird Meyers Einfühlung ins Rotlichtmilieu, ohne dass er dafür mit Prostitiuerten gesprochen hätte. Ob er einmal weise werden wolle, fragt ihn der Moderator. "Nein, Ich möchte dumm werden. Ich möchte mich im Schlamm drehen und der Welt den Arsch zeigen." - "Grossartig!" ruft Rainald Goetz.
  • 10/9/2013 11:00:02 AM   Fabian Granzeuer
    Evgeny Morozov folgt am Stand von 3sat auf Clemens Meyer. Er erklärt Tina Mendelsohn seine Skepsis der Überausstattung des Menschen mit mobiler Sensorik (Smart-Phones) gegenüber. Seine Frage: „What happens to the idea of citizenship?”
    In der Vorhersage zukünftiger Verbrechen und ihrer vorauseilenden Verhinderung sieht er eine elementare Gefahr. Als zentrales Merkmal unserer politischen Gegenwart äußert er die Beobachtung: "We no longer debate the norms”. Schon bedankt sich Frau Mendelsohn. Verhaltenes Klatschen der Zuschauer und der Stand leert sich wieder.
  • 10/9/2013 12:32:35 PM   Oliver Georgi
  • 10/9/2013 1:14:03 PM   Fabian Granzeuer
    Unberührt von den großen Fragen lesen im Lesezelt Schüler ihre Geschichten vor. Als letzte ist „Das Mädchen mit den roten Stiefeln” an der Reihe. In dieser ganz ungeschäftigen Atmosphäre mit knarrendem Holz und gedämpftem Licht wirkt die klare, kurze Erzählung wie aus einer anderen Zeit. Dabei ist es eine Skizze vom sozialen Leben auf einem Schulhof in unserer Gegenwart. Nach dem Applaus kommen zum Abschluss noch einmal alle acht Preisträger - denn das sind die Vortragenden hier - auf die Bühne.

    Die Moderatorin sagt, dass sich viele Autoren bei der sprachlichen Deutlichkeit ruhig mehr an den Kindern orientieren dürften. Laut dröhnt „We are the Champions”. Freddie Mercury singt auch die harte Zeile „No time for losers”. Die Gesichter der Kinder sind zuversichtlich, manche wirken unsicher und andere lächeln ganz professionell in Richtung der Kamera.

    Mit diesem Eintrag enden nun die Kurznachrichten vom ersten Tag der Buchmesse. Vielen Dank für Ihr Interesse.
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