Leserkonferenz Natur und Wissenschaft 1.11.

Leserkonferenz Natur und Wissenschaft 1.11.

  • 11/1/2013 1:07:54 PM   humatrix
    Der genetische Bauplan eines Menschen besteht aus ca. 3 Milliarden "Buchstaben", die die verschiedensten Körperfunktionen und -merkmale codieren. Ungefähr 3 Millionen dieser Buchstaben sind variabel und kommen nicht bei allen Menschen gleich vor. Ein großer Teil davon liegt in den Bauanleitungen für Körperfunktionen, die bei der Aufnahme, Verteilung und Verstoffwechslung von Arzneimitteln eine Rolle spielen. Durch gezielte Dosisanpassungen oder das Ausweichen auf alternative Arzneimittel, die nicht von Mutationen betroffen sind, kann man heute schon diese genetisch bedingten Unwirksamkeiten und Unverträglichkeiten umgehen.
    Die Quoten der „Non-Responder“, also der Menschen, die nicht von einer Therapie profitieren, machen es deutlich: Asthma- oder Diabetes-Therapeutika sind bei ca. 40% der Patienten unwirksam, Arthritis-Therapeutika bei 50% und Tumor-Therapeutika sogar bei 75%. Fast immer gibt es mehrere Therapieoptionen und -empfehlungen mit unterschiedlichen Wirkmechanismen. Wirkt Medikament A bei nicht, wird Medikament B ausprobiert, dann C oder D usw., bis das „passende“ Präparat gefunden ist. Bei der Dosierung sieht es ähnlich aus: Zu hohe Nebenwirkungen? Dann wird vom Arzt oder Apotheker die Dosis einfach herabgesetzt – aber erst dann.
    Das umfangreiche Sammeln von Patientendaten hat durchaus seine Berechtigung, denn alle relevanten Informationen, die sich für einen Wirkstoff aus einem genetischen Profil ergeben, lassen sich mittlerweile in einer konkreten Handlungsempfehlung zusammenfassen. Das führt schon jetzt zu konkreten, für den einzelnen Patienten positiven Ergebnissen. Durch eine einmalige genetische Analyse (ca. 100 Variationen in über 30 Genen) kann heute z. B. ein individuelles Stoffwechsel- und Wirkprofil bestimmt werden und jederzeit dem Apotheker des Vertrauens oder behandelnden Arzt zur Verfügung stehen, um schon vor Beginn einer Therapie die optimale Medikation zu ermitteln.
    Die damit einhergehende, bessere Compliance, d. h. Akzeptanz und Therapietreue des Patienten, sein Medikament auch wie vorgeschrieben einzunehmen, kann ihm und seinem Leistungsträger darüber hinaus unnötige Kosten ersparen.
  • 11/1/2013 1:34:22 PM   Joachim Müller-Jung
    War offenbar noch kein Aufreger dabei ;-) ... Vielleicht die Info: Auch die europäische Arzmeimittelagentur kämpft dafür, dass Patienten, die sich an klinischen Studien beteiligen (und damit dem Fortschritt dienen), ihre Daten für die Pharmastudien komplett - wenn auch verschlüsselt - mit den Publikationen zur Verfügung zu stellen. Sinnvoll?
  • 11/1/2013 1:46:03 PM   Joachim Müller-Jung
    Na, dann nutzen wir doch die Zeit sinnvoll für weitere Recherchen, und tragen die Informationen über den Datenhunger in der Medizinforschung für die nächste Wissenschaftsbeilage zusammen. Vielleicht ist ja auch wirklich sinnvoller, zuerst mal seinen Arzt zu fragen, wie er die elektronischen Krankenakte verwaltet - oder verwertet? Sensibilisiert worden sind hoffentlich einige unserer Zuschauer! Schönes Wochenende und Gesundheit!
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