Klimagipfel
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Klimagipfel

  • 11/22/2013 1:01:30 PM   Joachim Müller-Jung
    Hallo zusammen zu unserer Leserkonferenz. Klimawandel und Klimapolitik sind wieder einmal das Schwerpunktthema, aus gegebenem Anlass. Der Klimagipfel von Warschau geht heute zu Ende. Selbstverständlich können Sie auch andere Themen oder Ideen ansprechen, mit denen wir uns als Wissenschaftsredaktion auseinandersetzen sollten. Unser Gast heute ist ein erfahrener und dennoch junger Geophysiker und Polarforscher aus Bremerhaven, den ich hiermit begrüße! Dr. Grosfeld ist Geschäftsführer des Helmholtz-Verbundes Regionale Klimaveränderungen (www.reklim.de) und beschäftigt sich als Wissenschaftler vor allem mit Themen wie Meeresspiegelanstieg und Wechselwirkungen zwischen dem Schelfeis und dem polaren Ozean.
  • 11/22/2013 1:02:46 PM   Joachim Müller-Jung
    Wir haben auch schon zwei Wortmeldungen von Stammgästen in unserer Leserkonferenz.
  • 11/22/2013 1:04:02 PM   Joachim Müller-Jung
    ich werde den ersten Beitrag einkürzen müssen, zu viele Fragen auf einmal... hier ist er:
  • 11/22/2013 1:04:33 PM   mccauley
    Hallo Herr Müller-Jung,

    für die spätere Konferenz (an der ich zeitlich nicht teilnehmen kann) vorab meine Beiträge:

    1. Ein Klimawandel hat i.d.R. nicht nur Verlierer, er hat auch Gewinner. Worauf sollte also die Hoffnung gründen,
    dass alle Staaten hier an einem Strang ziehen, wo doch andererseits Staaten wenig Hemmungen haben,
    Nachbarstaaten im doppelten Wortsinne "das Wasser abzugraben". (Also Staudämme zu errichten, Flüsse umzuleiten etc.)?
  • 11/22/2013 1:05:03 PM   Klaus Grosfeld
    Hallo Herr Müller-Jung, hallo liebe Gäste der Leserkonferenz,
  • 11/22/2013 1:06:37 PM   Joachim Müller-Jung
    Wenn Sie wollen, Herr Grosfeld, dürfen Sie auch zuerst Stellung nehmen zu den aktuellen Entwicklungen auf dem Klimagipfel in Warschau.. Die Zeichen kurz vor Ende der Klimakonferenz stehen auf Scheitern, oder?
  • 11/22/2013 1:09:46 PM   Klaus Grosfeld
    In der Tat, die Zeichen, die aktuell aus Warschau kommen verheißen nichts Gutes! Das Problem, dass viele Nationen mit individuellen Interessen einen Konsens finden müssen, zeigt wieder das generelle Problem auf.
  • 11/22/2013 1:10:08 PM   Joachim Müller-Jung
    ..vielleicht fällt in der Zwischenzeit einem unserer Teilnehmer eine geeignete Lektüre für @skywalker ein...
  • 11/22/2013 1:10:16 PM   skywalker
    Gibt es einen Artikel oder ein Buch, in dem erklärt wird, warum der Mensch ( CO2 ) ( aus Sicht des IPCC ) für die Klimaerwärmung verantwortlich ist. Physikalische Grundkenntnisse sind vorhanden. Mit freundlichen Grüßen
  • 11/22/2013 1:11:22 PM   Joachim Müller-Jung
    Das kollektive Interesse an der Eindämmung des Klimawandels ist nicht mehr zu erkennen für Sie?
  • 11/22/2013 1:11:23 PM   Klaus Grosfeld
    Es scheint erneut der Fall einzutreten, dass Blockade in einzelnen Aspekten die Konferenz dominiert und so die wesentlichen und notwendigen Schritte nicht eingeleitet werden können, nämlich an einer klaren Strategie zur Reduktion der Treibhausgase zu gelangen.
  • 11/22/2013 1:11:50 PM   leokhiwi
    Der Druck scheint noch nicht groß genug zu sein um individuelle Interessen auf einen Nenner zu bringen. Wann wird das Ihrer Meinung nach kommen? Oder nie?
  • 11/22/2013 1:12:46 PM   Joachim Müller-Jung
    daran kann man die zweite Frage von @skywalker anschließen...
  • 11/22/2013 1:12:49 PM   skywalker
    Guten Tag, woraus begründet der IPCC die Meinung, dass zu 95% der Mensch für die ( tatsächlich mess- und sichtbaren ) Klimaerwärmung verantwortlich ist?
  • 11/22/2013 1:13:48 PM   Klaus Grosfeld
    Der Druck scheint leider nur über noch klarere Auswirkungen und Schadensereignisse zu passieren. Die Erkenntnisse der Wissenschaft (IPCC 2013) allein scheinen hier keinen Handlungsdruck zu bewirken, obwohl die Zeichen doch klar sein sollten.
  • 11/22/2013 1:16:44 PM   Klaus Grosfeld
    Aus den Beobachtungen der Wissenschaft über den sogenannten instrumentellen Zeitraum (ab ca. 1850) sowie aus den Klimazeitreihen (z.B. Eisbohrkerne) lässt sich ein klarer Zusammenhang zwischen Industriealisierung und CO2-Anstieg ableiten. Dazu ist es mittels der Klimamodelle möglich, die natürlichen Ursachen von den anthropogenen Antrieben zu unterscheiden und hier lässt sich der menschengemachte Beitrag klar addressieren.
  • 11/22/2013 1:17:48 PM   Joachim Müller-Jung
    Wie kommt man dann auf 95 Prozent Wahrscheinlichkeit, dass das Menschenwerk ist
    ?
  • 11/22/2013 1:20:20 PM   Klaus Grosfeld
    Dies lässt dich aus den Unsicherheiten der entsprechenden Beobachtungsergebnisse und Klimasimulationen ableiten. Jede Methode hat ihre Fehlergrenzen. Bei Projektionen in die Zukunft hinein ist diese Unsicherheit natürlich größer.
  • 11/22/2013 1:20:33 PM   Joachim Müller-Jung
    Der Taifun Hayan war ja, nicht zuletzt auch von Wissenschaftlern, als ein solches konkretes Zeichen des Klimawandels gewertet worden. Und hat dennoch nicht aufgerüttelt. Ein anderes Signal ist die Entwicklung in der Arktis, Ihr Spezialgebiet, Herr Grosfeld. Wie wirkt sich der Klimawandel dort bereits aus?
  • 11/22/2013 1:24:07 PM   Klaus Grosfeld
    In den Polarregionen verzeichnen wir einen verstärkten Einfluss des Klimawandels. Das Klimasystem ist dort auf einen sehr engen Temperaturbereich eingestellt, der zwischen Schmelzen und Frieren unterscheidet. Als sichtbarste Auswirkung ist beispielsweise der Rückgang des sommerlichen Meereises zu sehen, das im September sein Minimum annimmt. Die Ausdehnung geht im Zeitraum der Satellitenbeobachtung (ca. letzte 30 Jahre) kontinuierlich zurück.
  • 11/22/2013 1:25:13 PM   Joachim Müller-Jung
    dazu habe ich heute morgen eine schöne Grafik entdeckt, die in Twitter herumgeisterte und jetzt eine nette Bildergalerie auf FAZ.NET schmückt....
  • 11/22/2013 1:25:18 PM   Klaus Grosfeld
    Aber nicht nur die Ausdehnung, sondern insbesondere auch die mittlere Meereisdicke hat einen abnehmenden Trend. Beised zusammen zeigt, dass das Meereis, als "Isolator" zwischen Ozean und Atmosphäre zunehmend anfälliger wird und dadurch ein vermehrter Wärmeaustuasch in die Atmosphäre stattfinden kann.
  • 11/22/2013 1:26:05 PM   Joachim Müller-Jung
  • 11/22/2013 1:26:33 PM   Klaus Grosfeld
    Dokumentiert ist dies z.B. sehr schön auf dem Internet-Portal www.meereisportal.de wo man tägliche Karten der Meereisausdehnung und weitere Information zum Thema Meereis finden kann.
  • 11/22/2013 1:26:36 PM   Joachim Müller-Jung
    das war jetzt allerdings die Grafik zur Meereisausdehnung.
  • 11/22/2013 1:26:44 PM   leokhiwi
    Gibt es Unterschiede in den Auswirkungen bei der Antarktis im Vergleich zur Arktis?
  • 11/22/2013 1:27:11 PM   Klaus Grosfeld
    Vielen Dank für die Abbildung aus dem Portal!
  • 11/22/2013 1:27:52 PM   Joachim Müller-Jung
    die Situation in der Antarktis ist trotzdem völlig
    anders, oder?
  • 11/22/2013 1:28:32 PM   Christian
    Meine Frage geht eher bezüglich der Nordhemisphärischen Cyrosphäre.. Seid 2007 ist das Meereisvolumen (Wahlweise über PIOMAS einsichtbar) massiv gesunken, die Tendenz zu größeren Jahr zu Jahr Schwankugen via Wetter scheint zuzunehmen, infolge der Erwärmung der Arktis im Spätsommer/Herbst wird den System ordentlich Energie gegeben und wird dann im Laufe wieder freigegeben, Frage hierzu, sind sie auch der Meinung, dass der rückgehende Temperatur-Grandient zwischen Arktis und den mittleren Breiten dazu führen kann, dass die Großräumigen Zirkulationsmuster (Wahlweise sei hier Nord-Atlantische Oszillation genannt) umstellen können und zu dem sog. "cold-Continent & warm" arctic führen kann???
  • 11/22/2013 1:31:02 PM   HSt
    Ich vermisse noch die Antwort auf skywalkers Frage zu den physikalischen Grundlagen!
  • 11/22/2013 1:31:14 PM   Klaus Grosfeld
    Ja, es gibt deutliche Unterschiede, da es auch komplett unterschiedliche Systeme sind: Die Arktis ist ein Binnenmeer, dass von Kontinenten umsäumt ist. Die Antarktis ist ein Kontinenen, der von einem "Ringozean" gesäumt ist. Dadurch kommt es in der Arktis im Sommer zu einer verstärkten Erwärmung durch Absorption der Strahlung auf kontinentalen Landmassen, dazu wirkt der Einstrom von altalntischen warmen Wassermassen. Die Antarktis ist vom Zustrom warmer Wassermassen durch den Antarktischen Zirkumpolarstrom weitestgehend isoliert, es kann nur Tiefenwasser langsam in den Süden vordringen. Der Eisschild selber reflektiert den Großteil der Strahlung und somit ist die Erwärmung kaum zu sehen.
  • 11/22/2013 1:31:56 PM   Joachim Müller-Jung
    den Lesetipp zu den physikalischen Grundlagen liefern wir bestimmt nach. Herr Grosfeld wird dazu gerne nochmal in seinen Bücherregalen stöbern - es sei denn, einer der Leser hat einen akuten Tip.
  • 11/22/2013 1:32:17 PM   skywalker
    Damit sind dann auch höhere Windgeschwindigkeiten vorprogrammiert?
  • 11/22/2013 1:33:14 PM   Joachim Müller-Jung
    ich nehme an @skywalker, dass Sie den Zusammenhang zwischen Windgeschwindigkeiten und KLimawandel meinen
  • 11/22/2013 1:35:22 PM   Klaus Grosfeld
    Die zunehmende Erwärmung in der Arktis in Relation zu den mittleren Breiten kann in der Tat dazu führen, dass sich der Temperaturkontrast verringert und wir eine Verlagerung der Westwinddrift bekommen. Neuest Arbeit von den Kollegen des AWI-Potsdam weisen darauf hin, dass hierdurch bereits eine Möglichkeit für die in den letzten Jahren beobachteten kalten WInter in Westeuropa liegt, die konträr zur generellen globalen Erwärmung festzustellen sind.
  • 11/22/2013 1:37:56 PM   Joachim Müller-Jung
    das bringt mich auf ein wichtiges Thema, Herr Grosfeld: Für die abgeschwächte Erwärmung des vergangenen Jahrzehnts - den "Hiatus" - wurden ja schon einige Erklärungsansätze abgeliefert. Neuerdings gibt es Hinweise, dass man wohl die überdurchschnittliche Erwärmung in der Arktis übersehen, bzw. mangels Daten aus der Region nicht mit einkalkuliert hat. Was halten Sie davon?
  • 11/22/2013 1:39:37 PM   Joachim Müller-Jung
    während unser Experte schreibt, eine kleine positive Zwischenmeldung aus Warschau..
  • Cause for optimism? U.S. and China find convergence on #climate issue. nyti.ms/19MmXs1
  • 11/22/2013 1:40:42 PM   Klaus Grosfeld
    Ich glaube nicht, dass man die überdurchschnittliche Erwärmung in der Arktis übersehen hat. Schaut man beispielsweise auf die Projektion bis 2100 dann zeigt sich dort gant klar, dass bei einem globalen mittleren Temperaturanstieg von ca. 2° die Arktis einen Anstieg von 4-6 °C erfährt.
  • 11/22/2013 1:41:59 PM   Klaus Grosfeld
    Die Abschwächung der Erwärmung ist eher dadurch zu erklären, dass sich die Wärme in den letzten Jahren nicht mehr überwiegend in den Oberflächenwassermassen wiederfindet, sondern zunehmend auch die tiefen Wassermassen erwärmt werden. Das ist ein weiterer enormer Speicher, der Wärme aufnehmen kann.
  • 11/22/2013 1:42:35 PM   Christian
    Genau das habe ich gemeint, partizielle Störung der zonalen Strömungskomponente, jedoch lassen sich auch hier Hinweise zu solaren Auslöser finden(manche Paläoklimatologische Rekonstruktion legen es nah) welche via UV den Grandienten in der Stratosphäre (Hohe zu Tiefen Breitengraden) verkleinert, infolge dessen meridonale Strömungsmuster in der Stratosphäre mit Möglichkeit zum Auslösen von "Plötzlichen Stratosphären Erwärmungen"... soweit so gut, haben sie eine Meinung oder Erkentniss dazu?
  • 11/22/2013 1:44:20 PM   Klaus Grosfeld
    Wie gesagt, es wird verstärkt Wärme auch in tiefen Ozeanschichten gespeicher, die dann nicht mehr so unmittelbar an die Atmosphäre abgegeben werden kann. Das sieht man beispielsweise in der Antarktis, wo das Warme Tiefenwasser um wenige hundertstel°C wärmer wird, was aber schon enorme Auswirkungen in der Wechselwirkung zu den Schelfeisen haben kann.
  • 11/22/2013 1:47:00 PM   Joachim Müller-Jung
    Da die Beschmipfungen in unserem Kommentar-Sammelbecken nicht aufhören, will ich nochmal kurz darauf hinweisen, dass wir an dieser Stelle gerne seriös debattieren wollen. Ich will es mal mit einem der noch moderaten Kritikerbeiträge versuchen. Er bezieht sich direkt auf die Polarforschung.
  • 11/22/2013 1:47:06 PM   Klaus Grosfeld
    Die Stratosphärische Wechselwirkung ist bisher in den Klimamodellen noch nicht explizit repräsentiert gewesen. Regionale Modelle der Arktis nehmen dies jedoch zunehmend ins Visier und können dies Einflüsse zunehmend beschreiben. Hier spielt dann auch die Atmosphärenchemie eine wichtige Rolle, die die Strahlungsbilanz beeinflusst.
  • 11/22/2013 1:47:07 PM   Knobloch
    Vor sechs Jahren wurde von Ihnen eine komplette Pol-Schmelze vorhergesagt. Nun ist Frost-Kappe um 60 Prozent gewachsen. Was sollen die endlosen Lügen?
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