Abschluss Weltklimabericht IPCC
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Abschluss Weltklimabericht IPCC

  • 4/11/2014 1:07:15 PM   Oliver Geden
    Der IPCC hat ja eigentlich nicht die Rolle, konkrete Vorgaben zu machen. Er soll nur politikrelevante Empfehlungen abgeben. Ich sehe inzwischen auch eine Tendenz in der Klimawissenschaft, sich wieder stärker auf diese Rolle zurück zu ziehen, und mit "wenn.. dann..."-Argumenten zu operieren, und weniger im Modus des "die Politik muss..."
  • 4/11/2014 1:09:26 PM   Oliver Geden
    Die Situation in China ist insofern paradox, als das dort alle Energieträger-Optionen massiv ausgebaut werden, also Kohle UND Atom UND Erneuerbare. Anders formuliert: China hat inzwischen die Führungsrolle beim Erneuerbaren-Ausbau, aber die Emissionen steigen trotzdem weiter. Der Energieverbrauch in den Schwellenländern steigt nach wie vor stark an.
  • 4/11/2014 1:09:53 PM   Joachim Müller-Jung
    Die Aufstellung eines globalen Kohlenstoffbudgets hatte den Charme, dass es unter dem Strich nur darum geht, wer wieviel einspart, um das Ziel zu erreichen und die Obergrenze nicht zu überschreiten. Das wäre der Part der Politik.
  • 4/11/2014 1:12:07 PM   Joachim Müller-Jung
    Und: Wenn es keine konkreten quantitativen Empfehlungen mehr geben soll, wozu dann teure Modelle finanzieren? Was grob für eine erfolgreiche Transformation getan werden muss, liegt ja auf der Hand.
  • 4/11/2014 1:13:01 PM   Robert Seidemann
    Es gibt nur die eine Chance: die Emissionen über Zertifikate für ALLE zu verteuern. Niemals nur für einige oder gar die Minderheit.
  • 4/11/2014 1:13:03 PM   Oliver Geden
    Aber dieses "nur" ist eben großes politisches Problem, das Wissenschaftler oft unterschätzt haben. Nur weil die Politik sich auf das 2-Grad-Ziel geeinigt hat und Naturwissenschaftler ein entsprechendes Kohlenstoff-Budget errechnet haben, mit dem die 2-Grad-Marke noch einzuhalten wäre, sind die Staaten in der UN noch lange nicht in der Lage, sich über die konkrete Aufteilung zu einigen. Außerdem besteht die Gefahr, dass Politiker bei einem "Budget" unweigerlich an die Möglichkeit des Verschuldens denken, mit späterer Rückzahlung durch "negative Emissionen"
  • 4/11/2014 1:14:53 PM   Oliver Geden
    "Empfehlungen" gibt es schon noch, im Sinne eines "Wenn Ihr wirklich unter 2-Grad bleiben wollt", dann stehen euch die Wege A, B und C zur Verfügung", mit Konsequenzen für Timing von Emissionsminderungen und jeweiligem Technologieeinsatz.
  • 4/11/2014 1:15:41 PM   Joachim Müller-Jung
    Ist es nicht heute schon absehbar, dass "negative Emissionen", also das Herausziehen von CO2 aus der Atmosphäre durch CCS-Techniken, in den nächsten Jahren nicht sowieso eine größere Rolle spielen müssen? Die Regierung versucht das Thema ja gerne kleinzureden
  • 4/11/2014 1:16:41 PM   Oliver Geden
    Ja, wenn man Emissionen mindern will, müssen Treibhausgasemissionen ein Preisschild bekommen, überall auf der Welt, wenn auch nicht unbedingt in allen Regionen das gleiche Preisschild Das muss man nicht zwingend über einen Zertifikatehandel organisieren, CO2-Steuern wären auch möglich
  • 4/11/2014 1:17:06 PM   Horst Schmidt
    Angesichts des Worts "Verschuldung", fallen mir immer mehr die Parallelen zu unserem politisch/wirtschaftlichem System auf. Ich glaube, es gibt einen großen Knall.
  • 4/11/2014 1:17:18 PM   Joachim Müller-Jung
    das muss nicht kommentiert werden.. ;-)
  • 4/11/2014 1:17:24 PM   Fragezeichen
    Was kostet denn im Endausbau die kWh Strom aus Wind- und Solarenergie + Speicher? Ist 1 € pro kWh eine korrekte Hausnummer?
  • 4/11/2014 1:18:25 PM   Oliver Geden
    Wenn man unter 2-Grad bleiben will, braucht man Technologien zur Generierung von "negatvien Emissionen", das sagen die spätestens seit September bekannten IPCC-Szenarien (RCP). Gesellschaft und Politik haben sich noch nicht wirklich klar gemacht, was das bedeuten würde.
  • 4/11/2014 1:20:10 PM   Joachim Müller-Jung
    Japan, so lesen wir heute, will seinem neuen "Energieplan" zufolge drei Jahre nach Fukushima wieder in die Atomkraft einsteigen. Halten Sie das klimapolitisch für einen Gewinn? Und: Ist es ein richtiges Signal, wenn wir an die selbstzerstörerischen Tendenzen bei dem Solargroßprojekt "Desertec" denken...
  • 4/11/2014 1:20:12 PM   Oliver Geden
    die Fragen nach Kosten Wind/Solar/Speicher kann ich leider nicht beantworten, das ist nicht mein "Fach"
  • 4/11/2014 1:21:45 PM   Horst Schmidt
    @Fragezeichen: Das Problem ist die EEG-Umlage. Dadurch kann der Strom für den Verbraucher erheblich teurer werden, als der Preis den die Produzenten erhalten
  • 4/11/2014 1:22:58 PM   Oliver Geden
    Japan hat seine Klimaziele für 2020 nach Fukushima wieder zurücknehmen müssen, weil Atomenergie zum Teil durch Gaskraftwerke kompensiert werden mussten. Streng genommen ist alles, was weniger Emissionen verursacht, klimapolitisch ein Gewinn. Ob man Japan zu dieser Entscheidung beglückwünschen will, ist aber auch eine Frage von Werturteilen - und von denen mangelt es in der Energiepolitik nicht gerade.
  • 4/11/2014 1:24:48 PM   Joachim Müller-Jung
    Dann nochmal kurz zurück zu der Notwendigkeit, Treibhausgase aktiv aus der Atmosphäre zu entfernen, den CCS-Techniken: Die Ablehnung rührt der Politik rührt ja auch aus einem Unbehagen in der Bevölkerung und einem auf Seiten der Umweltschützer: Wird CCS nicht dann, wenn es stärker gefordert wird, zunehmend auch als "Ausrede" genutzt werden, um eigene Emissionsreduktionen zu vermeiden?
  • 4/11/2014 1:24:55 PM   Oliver Geden
    zu "Desertec". Die Vision von großflächigen Solaranlagen in der Wüste ist sicher nicht davon abhängig, ob ein von deutschen Unternehmen geführtes Großprojekt ein tragfähiges Geschäftsmodell hat. Photovoltaik und Solarthermie werden in Nordafrika sicher eine Zukunft haben
  • 4/11/2014 1:26:43 PM   Leser
    Sollten wir uns in der nationalen sowie internationalen Klimapolitik nicht auf ein verbindliches Regulierungs-Instrument konzentrieren? Eine Mehrinstrumenten-Policy, wie derzeit durch das EEG + Zertifikatehandel abgebildet, führt doch i.d.R. zu unerwünschten Nebeneffekten, wie der momentan vermehrte Ausbau der Kohlekraft in DE zeigt.
  • 4/11/2014 1:29:23 PM   Oliver Geden
    CCS hatte sicherlich lange die Funktion, Kohlekraftwerken auch unter den Bedingungen einer ehrgeizigen Klimapolitik eine Zukunft verheißen zu können, das ist dann in den entsprechenden Ländern und Regionen (Polen, Lausitz etc.) dankbar aufgenommen worden. Bei den derzeitigen CO2-Preisen lohnt die Technologie aber nicht, und politisch ist vor allem die Lagerung umstritten. Dss wäre bei Biomasse-CCS nicht anders. Das Anliegen der IPCC-Szenarien ist es deshalb auch, zu zeigen, welche Konsequenzen der Verzicht auf eine bestimmte Technologie hat. Das ist ja das Charmante an Modellen. Wenn die Gesellschaft (legitimerweise) sagt: "Das wollenw ir nicht", dann können Klimaökonomen schnell kalkulieren, welche Technologien dann verstärkt zum Einsatz kommen müssten, um diesen Ausfall zu kompensieren - oder welche Temperaturziele bei einem Verzicht auf CCS noch realistisch wären.
  • 4/11/2014 1:30:25 PM   Oliver Geden
    Das Grundproblem ist: Wir reden seit über 20 Jahren international über das Klimaproblem, aber die Emissionen steigen stetig weiter an. Das vermindert automatisch die Optionen, die der Welt noch bleiben, um das 2-Grad-Ziel zu erreichen
  • 4/11/2014 1:32:19 PM   Joachim Müller-Jung
    Ich will zum Abschluss noch ein grundlegendes Problem des IPCC allgemeiner formulieren: Glauben Sie, dass solche Berichte wie der neue S
    achstandsbericht mit seinen paar tausend Seiten überhaupt noch politischen Einfluss haben?
  • 4/11/2014 1:32:46 PM   Oliver Geden
    Bei einer Aufgabe diese Größe (Dekarbonisierung der Weltwirtschaft im Laufe des 21. Jahrhunderts) kann es keinen Masterplan geben, man wird immer wieder Fehlentwicklungen sehen, oder auch Instrumente, die in manchen Regionen und funktionieren und in anderen nicht. Und momentan muss man sagen, dass selbst in Europa oder in Deutschland viele Instrumente nicht wirklich funktionieren, zum Beispiel der Emissionshandel
  • 4/11/2014 1:33:56 PM   Joachim Müller-Jung
    Glauben Sie, dass das Zwei-Grad-ZIel auch nach dem Pariser Klimagipfel 2015 noch aufrecht erhalten wird?
  • 4/11/2014 1:34:02 PM   Horst Schmidt
    Das war eine Suggestivfrage, Herr Müller-Jung...
  • 4/11/2014 1:34:34 PM   Joachim Müller-Jung
    @Horst_Schmidt: Suggestivfragen waren ja nicht verboten ;-)
  • 4/11/2014 1:34:57 PM   Oliver Geden
    Ich denke nicht, dass die IPCC-Berichte noch einen großen Einfluss haben. Das Klimawandelproblem ist inzwischen grundsätzlich akzeptiert. Jetzt geht es um grundlegende politische Entscheidungen, und die müssen auch in der Politik getroffen werden. Wissenschaftliche Berichte können dabei allenfalls eine Hilfestellung sein, aber die Politik wird sie in diesem Detailliertheitsgrad gar nicht wahrnehmen können
  • 4/11/2014 1:36:02 PM   Horst Schmidt
    Ich hab sie auch gleich mit NEIN beantwortet - bin halt ein Pessimist.
  • 4/11/2014 1:37:28 PM   Oliver Geden
    Das wird spannend zu sehen sein, wie man nach Paris mit dem 2-Grad-Ziel umgeht, es wird auch spannend, wie der neue IPCC-Bericht damit umgeht. Im 4. Sachstandsbericht von 2007 war zu lesen, die Emissionen müssten dazu bis 2015 ihren Gipfelpunkt erreicht haben, die UN-Umweltbehörde spricht heute schon vorsichtiger von "vor 2020". Möglicherweise verzichtet der IPCC jetzt auch komplett auf solch eine Aussage.
  • 4/11/2014 1:38:43 PM   Joachim Müller-Jung
    ... und eine klare Antwort auf die Suggestivfrage. Vielen Dank, Herr Geden! Warten wir also, welchen Grad an klimapolitischen Detail-Empfehlungen sich der IPCC bis morgen abringt.
    Sonntagmorgen um 11 Uhr ist die offizielle Pressekonferenz des IPCC in Berlin. Hier die Link: ipcc.ch
  • 4/11/2014 1:41:52 PM   Joachim Müller-Jung
    Bevor ich unseren Experten verabschieden und die klaren Statements, darf ich allen Teilnehmern danken, die sich beteiligt haben, insbesondere auch dem User @Fragezeichen, der nicht nur das Eis gebrochen hatte gleich zu Anfang, sondern auch die meisten Beiträge geliefert hat. Leider konnten wir nicht alle berücksichtigen, insbesondere die technischen Fragen nicht, für die Herr Geden qua Profession nicht zuständig ist.
  • 4/11/2014 1:42:33 PM   Joachim Müller-Jung
    In diesem Sinne ein schönes und spannendes
    Wochenende allen Klimainteressierten!
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