Abschluss Weltklimabericht IPCC

Abschluss Weltklimabericht IPCC

  • 4/11/2014 8:47:36 AM   Joachim Müller-Jung
    Willkommen zur Leserkonferenz "Wissenschaft im Chat". Ab 14:30 Uhr können Sie hier mit Oliver Geden und der Redaktion über die jüngsten Aussagen der Klimaforschung und die Konsequenzen für die Klimapolitik sprechen. Oliver Geden ist Experte für europäische und internationale Klimapolitik, für die UN-Klimaverhandlungen und arbeitet über das Verhältnis von Klimawissenschaft und Klimapolitik. Er ist Senior Research Fellow bei der Stiftung Wissenschaft und Politik, einem Think Tank, der Bundestag und Bundesregierung berät.
  • 4/11/2014 12:30:43 PM   Joachim Müller-Jung
    Herzlich Willkommen zur Leserkonferenz!
    .
  • 4/11/2014 12:31:28 PM   Joachim Müller-Jung
    wir sind zwei Tage vor der Abgabe des dritten Teilberichts des IPCC und begrüßen als Gast Oliver Geden!!
  • 4/11/2014 12:31:29 PM   Oliver Geden
    Herzlich willkommen auch von meiner Seite! Ich freue mich auf Fragen und Diskussionsbeiträge
  • 4/11/2014 12:32:38 PM   Joachim Müller-Jung
    Bevor wir einsteigen sei daran erinnert: Jeder kann fragen und diskutieren zur Klimapolitik und Klimaforschung, aber nicht jede Frage wird auch öffentlich gestellt. Wir sind aufgrund der Anfragen und der gemischten Qualität auch gezwungen, eine Auswahl zu treffen.
  • 4/11/2014 12:34:02 PM   Joachim Müller-Jung
    Herr Geden, vielleicht darf ich zuerst fragen: Der dritte Teilbericht, in dem es um die Konsequenzen für die Klimapolitik geht, wie also Klimaschutz konkret aussehen soll, ist sicher der politisch sensibelste Bericht. Erwarten Sie einen radikalen Weckruf des IPCC?
  • 4/11/2014 12:35:06 PM   Oliver Geden
    Nicht unbedingt einen Weckruf, eher einer Fortschreibung des bislang schon Bekannten. Man wird sich auch fragen müssen, ob die Politik wirklich noch einen Weckruf benötigt.
  • 4/11/2014 12:35:11 PM   Joachim Müller-Jung
    zwischendurch gibt es von mir auch klei9ne Momentaufnahmen aus den sozialen Netzen zu dem Thema, z.B. so etwas:
  • 4/11/2014 12:35:29 PM   Horst Schmidt

    Welche neuen Erkenntnisse -im Vergleich zu den Vorgängerberichten- gibt es im neuen Bericht?
  • 4/11/2014 12:35:43 PM   Oliver Geden
    tja, das fällt dann wohl eher in den Bereich "Begleitfolklore"
  • 4/11/2014 12:36:22 PM   Joachim Müller-Jung
    und welche neuen Erkenntnisse erwarten Sie von dem Berliner Bericht?
  • 4/11/2014 12:37:22 PM   Oliver Geden
    Wir dürfen hier natürlich noch nicht über Details sprechen, und ich kenne auch nicht alle. Aber wir dürfen sicherlich erwarten, dass das enorm gewachsene Wissen über Transformationspfade zur Low Carbon Economy dargestellt werden, inklusive der politischen Möglichkeiten, hier voranzukommen.
  • 4/11/2014 12:38:28 PM   Oliver Geden
    Außerdem werden auch spezifische Technologien, wie z.B. "Bioenergie-CCS" oder die Rolle der Erneuerbaren Energieträger eingehend analysiert werden.
  • 4/11/2014 12:39:19 PM   Joachim Müller-Jung
    Können Sie kurz skizzieren, was Bioenergy-CCS bedeutet?
  • 4/11/2014 12:40:09 PM   Fragezeichen
    Wie und mit welcher Technik wollen Sie das Kostenproblem der sog. "Erneuerbaren Energien" lösen?
  • 4/11/2014 12:41:11 PM   Oliver Geden
    Man kann versuchen, mit schnellwachsender Biomasse (z.B. Kurzumtriebswälder) zunächst CO2 zu binden, die Biomasse dann in Kraftwerken zu verbrennen und das CO" dann abzuscheiden und zu speichern. Damit entzieht man der Atmosphäre netto CO2, generiert also "negative Emissionen"
  • 4/11/2014 12:42:54 PM   Joachim Müller-Jung
    Sind also die Kosten der Regenerativen so massiv zu senken, wie es nötig ist, um langfristig
    gegen billige und subventionierte Kohle zu bestehen?
  • 4/11/2014 12:43:16 PM   Oliver Geden
    Die Kostenproblematik bei den Erneuerbaren muss man heute technologiespezifisch betrachten. Die Kostenkurve bei der Photovoltaik ist ja inzwischen deutlich runter gegangen. Bei Wind Offshore sieht es natürlich anders aus. Und im Verkehrssektor gibt es noch kaum tragfähige Lösungen
  • 4/11/2014 12:43:39 PM   Joachim Müller-Jung
    zur Rolle der EU...
  • 4/11/2014 12:43:40 PM   JS
    Wie wichtig ist es für die UN-Klimaverhandlungen, dass die EU sich im Juni auf ein ambitioniertes Klimaziel für 2030 einigt? Überschätzen wir Europäer uns nicht, wenn wir weiter glauben, als Vorreiter andere Staaten von der Notwendigkeit des Kampfes gegen den Klimwandel überzeugen zu müssen? Kein anderes Land investiert momentan so massiv in die Energiewende wie China beispielsweise. Die brauchen den EU-Impuls doch gar nicht mehr, oder?
  • 4/11/2014 12:44:40 PM   Oliver Geden
    Ob die Regenerativen ökonomisch bestehen können, hängt immer von der jeweiligen Konkurrenzsituation zu den Fossilen ab, und damit auch vom jeweiligen Anwendeungsbereich. Insofern auch davon, ob CO2 beipreist wird, ob über direkte Steuern oder einen Emissionshandel
  • 4/11/2014 12:45:32 PM   Joachim Müller-Jung
    Zwischendurch ein Weckruf von Desmond Tutu (in Englisch), der auf Twitter kursiert....
  • 4/11/2014 12:46:14 PM   Oliver Geden
    Im Juni wird der Europäische Rat sicherlich noch keine EU-Position beschließen können. Sicherlich überschätzt die EU auch, wie wichtig es den anderen großen Ländern ist. Ein ambitioniertes Ziel wäre aber ein SIgnal, dass die EU das Thema selbst noch ernst nimmt. Vielen Entwicklungsländern dürften Finanzzusagen wichtiger sein, als Emissionsminderungsziele der Europäer.
  • 4/11/2014 12:46:39 PM   Joachim Müller-Jung
    mich würde die künftige Rolle der EU ebenso wie @JS sehr interessieren? Spielt sie noch eine erste Geige im Klimakonzert?
  • 4/11/2014 12:46:52 PM   Joachim Müller-Jung
    so, jetzt waren Sie schneller als ich
  • 4/11/2014 12:46:56 PM   Fragezeichen
    Wieviel Fläche für die Kurzumtriebsplantagen wollen Sie denn nutzen? Und wie groß ist die Ernte an trockener Biomasse pro Hektar?
  • 4/11/2014 12:47:11 PM   Joachim Müller-Jung
    das war eine Nachfrage zur Bioenergy-CCS-Technik
  • 4/11/2014 12:49:31 PM   Oliver Geden
    Gesellschaft und Politik werden sich entscheiden müssen, ob sie Bioenergie-CCS tatsächlich nutzen wollen. Das Anliegen des IPCC ist es, diese Diskussion zu befördern. In die 2-Grad-Modelle sind die "negativen Emissionen" schon mit einkalkuliert. Das dürfte den wenigsten Umweltverbänden bekannt sein. Die Frage nach der benötigten Fläche stelle ich mir auch oft, die wird dann am Sonntag im Report nachzulesen sein.
  • 4/11/2014 12:50:04 PM   Fragezeichen
    Die sog. Regenerativen benötigen also auf Dauer Subventionen? Oder anders gefragt: wird es je einen Break Even Point geben?
  • 4/11/2014 12:51:02 PM   Horst Schmidt
    Das sind ja schon alles Strategien zur Lösung des Problems. Gibt es neue wissenschaftliche Erkenntnisse z.B. über die Klimasensitivität von CO2?
  • 4/11/2014 12:51:41 PM   Joachim Müller-Jung
    Die Frage kann ich ganz schnell beantworten: Nein, im Bericht der dritten Arbeitsgruppe wird es nicht um naturwissenschaftliche bzw. physikalische Aspekte des Klimawandels gehen
  • 4/11/2014 12:51:55 PM   Oliver Geden
    Bei Photovoltaik darf man am optimistischsten sein, dass in vielen Ländern schon bald keine Subventionen mehr nötig sein werden, bei anderen Technologien und Anwendungsbereichen wird es länger dauern. Es hängt immer vom Kontext ab, und den Kosten der fossilen "Konkurrenz"
  • 4/11/2014 12:53:19 PM   Joachim Müller-Jung
    Die Frage der Subventionen taucht in nationalen Klimaschutzdebatten immer wieder auf. Haben sie wirklich diese starke
    lenkende Wirkung, wie meistens unterstellt wird?
  • 4/11/2014 12:55:23 PM   Joachim Müller-Jung
    In Deutschland etwa sind die CO2- Reduktionserfolge durch Verkehr und Gebäude seit einigen Jahren praktisch ausgeblieben. Könnte man da etwa mehr tun, indem man Energieeffizienzmaßnahmen stärker subventioniert?
  • 4/11/2014 12:56:53 PM   Fragezeichen
    Wieviele Arbeitsplätze hat die bisherige Subventionierung bereits vernichtet?
  • 4/11/2014 12:57:13 PM   Oliver Geden
    In vielen Energieverbrauchssektoren liegen die größeren Dekarbonisierungspotenziale in der Effizienz-Steigerung, nicht im Brennstoffwechsel, z.B. bei der Wärmeversorgung von Gebäuden. Subventionen können hier helfen, aber zum Teil sind Modernisierungszyklen schwer davon zu beeinflussen.
  • 4/11/2014 12:59:19 PM   Joachim Müller-Jung
    Ich darf die Diskussion vielleicht auch nochmal auf die internationale Schiene heben. Ist denn zu erwarten, dass sich die Klimapolitik vor dem Gipfel in Paris 2015, wo ein neuer Klimavertrag ausgehandelt werden soll, grundlegend reformiert, um die weiterhin steigenden Treibhausgasemissionen möglichst rasch zu senken? Was ist da politisch ein probates Mittel?
  • 4/11/2014 12:59:25 PM   Oliver Geden
    Die Arbeitsplatzeffekte durch die deutsche und auch europäische Energiepolitik sind schwer zu beziffern. Meist wird mit Brutto-Zahlen operiert (wie viele neue Arbeitsplätze sind im Bereich der Erneuerbaren entstanden), Netto-Kalkulationen (inkl. der Effekte bei konventionellen Kraftwerken oder energieintensiven Industrien) findet man kaum. Da bewegt man sich also schnell im Reich der Spekulation.
  • 4/11/2014 1:02:00 PM   Oliver Geden
    Politisch bewegt sich in der internationalen Klimapolitik derzeit nicht viel. Einen umfassenden, 2-Grad-kompatiblen Vertrag wird es in Paris aller Voraussicht nach nicht geben. Viele Länder, inkl. China und USA, wollen keine echten Verpflichtungen gegenüber der EU. Es wird also viele bilaterale Vereinbarungen, Verknüpfung von Handelsregimen oder auch organisierten Technologietransfer geben müssen. Das alles wird uns aber nur langsam voranbringen. Der Gipfelpunkt der globalen Emissionen ist noch nicht in Sicht.
  • 4/11/2014 1:02:23 PM   Joachim Müller-Jung
    China reduziert die Nutzung von Kohlenkraft, lesen wir heute bei Bloomberg. Kann damit das Ziel erreicht werden, den Emissionsgipfel bis 2020 einzuhalten, wie so oft angekündigt wurde?
  • 4/11/2014 1:04:32 PM   Oliver Geden
    Die Aussage von heute beruht auf einem Greenpeace-Report, den ich für reichlich optimistisch halte. Richtig ist aber, dass die zusätzlichen Emissionen in den nächsten Jahren fast ausschließlich auf das Konto der Schwellen- und Entwicklungsländer gehen. Die Frage, ob und wann die Trendwende gelingt, wird also nicht bei uns fallen, sondern in China, Indien, Brasilien, Russland und Südafrika.
  • 4/11/2014 1:05:20 PM   Joachim Müller-Jung
    IM IPCC wird in der kommenden Nacht, vor dem Abschluss des Teilberichts, sicher diskutiert werden, welche konkreten Vorgaben der Politik gemacht werden können für eine straffere Klimapolitik. Zhalen werden kommen vermutlich, das ist ein wissenschaftlicher Bericht, kein rein politischer. Was erwarten Sie an konkreten Vorgaben?
  • 4/11/2014 1:05:47 PM   Robert Seidemann
    China baut eher jede Woche ein Kohlekraftwerk und in jedem Quartal ein AKW
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